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Geraer Intermezzo hat heute Museumswert

Zufälle lassen im Leben oft die schönsten Ideen entstehen, führen zu den interessantesten Begegnungen. Zufällig entdeckten Mitarbeiter des Stadtmuseums Gera bei der Vorbereitung der ersten Sonderausstellung "Frauenobjektiv. Fotografinnen 1940 bis 1950", die vom Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus Bonn stammt, den Namen Helga Teichmann-Schaarschuch. Und zufällig hatte das Museum 2003 eine Sammlung von Negativen von Helga Teichmann erworben, fotografische Zeugnisse aus ihrer Geraer Zeit. "Mich hat es zufällig nach Gera verschlagen" erinnert sich heute Helga Teichmann-Schaarschuch. Als gebürtige Dresdnerin folgte sie 1948 ihrem Mann, Werner Teichmann, der am Geraer Theater als Kapellmeister tätig war. Während dieser Zeit war sie als selbstständige Bildberichterstatterin tätig.
Helga Teichmann, geborene Schaarschuch, hatte ihre Kenntnisse im Studium an der Staatlichen Foto-Fachschule in Dresden und als Praktikantin bei ihrem Vater erworben. Kurt Schaarschuch war ein bekannter Dresdner Fotograf. Voller Hochachtung spricht sie von ihm. Er habe ihr die Sicht auf die Dinge beigebracht. "Mit der Kamera, die er vor den russischen Besatzern ständig verstecken musste, ist er durch das zerstörte Dresden gezogen und hat die Trümmer fotografiert", erzählt sie. In einem Band werden diese Trümmerbilder den unzerstörten Gebäuden, die er vor Kriegsbeginn akribisch aufgenommen hatte, gegenübergestellt.
Aus dem Blickwinkel der heute 78-Jährigen war der Aufenthalt in Gera für sie nur ein kurzes Intermezzo. Dennoch denkt sie gern an die drei Jahre in Gera zurück und nennt sie eine wichtige und unvergessliche Zeit: "Frisch verheiratet, der erste eigenen Haushalt, der berufliche Einstieg - ich hatte als 21-Jährige den Presseausweis Nummer sieben in Thüringen - und das erste Kind". 1951 verließ die Familie Gera, zog nach Eisenach und verließ zwei Jahre später aus politischen Gründen die DDR und floh in die Bundesrepublik.
Die stellvertretende Museumsleiterin Ute Heckmann ist froh, dass es diese Zufälle gegeben hat. "Für das Museum der Stadt ist die Zeit, die Frau Teichmann-Schaarschuch in Gera verbracht hat, sehr wichtig, geben ihre erhalten gebliebenen Fotodokumente doch einen faszinierenden Einblick in einen überaus interessanten Zeitabschnitt der Stadtgeschichte". Die Fotos zeigen Gera in der Nachkriegszeit. Helga Teichmann fotografierte Trümmerfrauen, aber auch eine Freilichtaufführung von "Der Wildschütz" aus dem Jahr 1949 auf Schloss Osterstein, Aufmärsche zum 1. Mai und Kinder im Ferienlager. Mit ihren Fotografien reiht sie sich damit gut in das Gesamtthema der Ausstellung "Frauenobjektiv. Fotografinnen 1940 bis 1950", ein. Sie geht der Frage nach: Wie haben deutsche Fotografinnen diese Jahren erlebt und abgebildet? Mit dem Blick dieser Frauen erlebt der Betrachter die Zeit des nationalsozialistischen Terrors, der politischen Verblendung, geistiger und materieller Not, aber auch des Neuanfangs und der Zukunftshoffnung. Ute Heckmann empfiehlt die Ausstellung, die am Freitag, 10. Juni, eröffnet wird, auch besonders für den Geschichtsunterricht. Sie soll bis zum Herbst stehen, könnte aber auch verlängert werden.

( Helga Schubert, 10.06.2005 )

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