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„Lausbube“ Manfred Lemke erzählt

Eigentlich sollte am 31. März das Lausbubenbuch von Manfred Lemke in einer öffentlichen Premiere dem Geraer Lesepublikum vorgestellt werden. Doch leider blieb es, wie bei so vielen Veranstaltungen heutzutage, nur bei der Ankündigung. Dennoch, das Buch „Gersche Lausbuben Geschichten“ ist mittlerweile erschienen und hoffentlich bald in den einschlägigen Buchhandlungen, dem Pressehaus und der Gera-Information käuflich zu erwerben.

Das Licht der Welt erblickte Manfred Lempe im Jahre 1949 an den Ufern der Weißen Elster. Genauer gesagt verbrachte er die Kinder- und die Jugendzeit in der Kurt-Büchner-Straße in Debschwitz. Die überwiegenden Erinnerungen ranken sich deshalb um diesen Geraer Stadtteil und die Debschwitzer Schule. Acht Jahre bildete sie den Mittelpunkt in seinem Leben. Ziemlich spät, nämlich mit sieben Jahren kam der kleine Bub zur Schule. Obwohl einer der Ältesten, war Manfred vom Wuchs und von Gestalt der Kleinste in seiner Klasse. Daher war seine Schulzeit auch nicht immer einfach. Doch anstatt sich zu ducken und die Hänseleien zu erdulden, wehrte er sich, war bei jedem Unsinn der Älteren dabei und stellte immer wieder seinen Mut unter Beweis. So stürzte auch einmal ein Stuhl aus dem Musikzimmer der Debschwitzer Schule auf die Rabatte vor dem Gebäude. Er wollte seinen Mitschüler beweisen, dass er Courage besitzt. Natürlich blieb diese Tat nicht ungesühnt. Seine Gefühle und die Angst vor der häuslichen Strafe beschreibt der Autor in der Geschichte „Die Mutprobe oder der fliegende Stuhl“. Diesmal blieb ihm jedoch eine „Tracht Prügel“ erspart, das war nicht immer so, berichtet er. Die Hand seines Vaters saß ganz schön locker und der Bauer, geboren in der Nähe von Breslau, konnte schon kräftig zupacken. Dennoch, und das verrät das Buch, ließ der Lausbube seine Streiche nicht sein. Schon früh als Kind lernte er kleine Tiere, Kaninchen, Schäferhunde und Tauben kennen und lieben, musste jedoch auch miterleben wie Tiere getötet wurden. Das hat ihn bis heute geprägt und zu einem Freund allen Lebens und der Natur gemacht.

Nach der achten Klasse zog sich Manfred Lemke einen komplizierten Beinbruch durch einen Verkehrsunfalls zu. Er lernte Bautischler und Glaser. Wegen der Verletzung konnte er den Bauberuf nicht mehr ausführen und arbeitete zwölf Jahre bei der Ersatzteilbeschaffung für kommunalwirtschaftliche Dienstleistungsfahrzeuge der Stadt Gera. Weitere zwölf Jahre, bis zur friedlichen Revolution und der politischen Wende, war er in Langenberg bei der VEB Deutsche Pianounion beschäftigt, führte als Betriebsratsvorsitzender den Betrieb in die Privatwirtschaft und musste schließlich die Abwicklung der Firma miterleben. Sein gewerkschaftliches Engagement führte ihn als Sekretär zur Gewerkschaft Holz und Kunststoff bis zum Übernahme durch die IG Metall. Einige Jahre später wurde er arbeitslos. Dankbar schaut er heute auf die Chance zurück, im Auftrag des Geraer Stadtmuseums für einen Euro pro Stunde, Besucher und Reisegruppen durch die Geraer Höhler zu führen. Sein Interesse war geweckt, das Erzählen machte ihm Spaß und die Besucher schätzten seine humorvolle, aber trotzdem fachlich versierte Art. Bald wurden die Geraer Gästeführer auf ihn aufmerksam und er ein zertifizierter Gästeführer. Vor und zu den Zeiten der Bundesgartenschau zeigte es den Besuchern die Ausstellungsflächen in Gera und Ronneburg und führte die Gäste durch die Geraer Unterwelt. Auch in seinem Ruhestand blieb Manfred Lemke den Gästeführern treu und inzwischen ist er als der Gersche Bierbrauer bekannt, der auch gern mal ein Gläschen Höhlerbier während seiner Führungen ausschenkt.

Der Zufall und das Zusammentreffen mit Verleger Frank Rüdiger wollte es, dass Manfred Lemke zum Autor wurde. Anekdoten, seine Erlebnisse mit den Besuchern und manch Wissenswertes über die Geraer Höhler und die Gaststätten der Stadt an der Weißen Elster mündeten in das Büchlein „Der Gersche Bierbrauer erzählt“. Beim Verfassen merkte der Autor: „Das Schreiben fiel mir leicht, es machte Spaß und der Funke war entfacht“, erinnert sich Manfred Lemke. „Inspiriert durch den Pirnaer Kabarettisten Tom Pauls, der seine Erlebnisse in dem Bestseller ‚Das wird mir nicht noch mal passieren - Geschichten meiner Kindheit‘ veröffentlichte, dachte ich, das kann ich auch.“ Nach und nach schrieb er Geschichte für Geschichte, Erlebnis für Erlebnis auf. „Beim Schreiben musste ich oft selbst über mich lachen. Da dachte ich, so müsse es später auch den Lesern gehen.“ Entstanden ist ein Buch in Klappenbroschur mit 269 Seiten. Es umfasst den Zeitraum von der Kindheit bis zur Jugendweihe. Alle seine Geschichten spiegeln neben den Entbehrungen und politischen Entwicklungen in der jungen DDR, auch das Leben der Menschen, die Aufbruchstimmung, den Wunsch nach Glück wider. Sein Humor und sein Tiefsinn wohnen jedem Satz, jedem Kapitel, jeder Geschichte inne. Lemke lässt seine Kindheitserinnerungen mit einem Augenzwinkern am inneren Auge des Lesers vorbeiziehen, jedoch nicht ohne das Geschehene aus heutiger Sicht zu betrachten.

Sobald die es die Situation wieder zulässt, wird sich Manfred Lemke auf eine kleine Lesereise durch Gera begeben. Selbstverständlich wird auch die Buchpremiere nachgeholt. Sobald konkrete Termine feststehen, werden diese über Neues Gera bekanntgegeben. 

( Wolfgang Hesse, 07.04.2020 )

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