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Industriedenkmal zum Anfassen

Von 1920 bis 1930 wurden gerade in Gera viele Wohn- und Industriebauten von den Absolventen und Schülern des Bauhauses geschaffen. Um das Gedenken 100 Jahre Bauhausgeschichte werden sich 2019 in Gera viele Ausstellungen und Veranstaltungen ranken. Stadtrundgänge, Stadtrundfahrten und kulturelle Höhepunkte führen zu den Wurzeln der Bauhaus Architektur in Gera. So zeigt das Stadtmuseum vom 15. März bis 10. Juni eine Ausstellung zu Thilo Schoder und Kollegen, die Bauten der Moderne nach Gera brachten. Als Schüler von Henry van der Velde verlegte Baumeister und Künstler-Architekt Thilo Schoder im Jahre 1916 seinen Wohnsitz von Weimar nach Gera. Er wurde als künstlerischer Berater für die Firma Golde in Gera tätig und schuf in diesem Zuge den Industriebau in der Wiesestraße. Unterstützend war er ebenso beim Bau der Hauses Schulenburg beteiligt, dass von Henry van der Velde konzipiert wurde. In den Jahren 1923 bis 1924 beauftragte Paul Schulenburg, der zusammen mit Alexander Bessler eine Woll- und Seidenweberei in der Langen Straße betrieb, Thilo Schoder, das damals zweistöckige Gebäude zu erweitern. Im Jahre 1925 hatte Schoder das Fabrikgebäude um zwei weitere Stockwerke überformt und umgestaltet. Dabei setze er viele Kriterien der Bauhausarchitektur um. Die Stelen an der Außenfassade dienten nicht nur als Blickfang, sondern auch als Stützen für die darüber liegenden neuen Stockwerke. Das Treppenhaus ist im äußeren Bereich in Sandwichform aus Beton und Glas gestaltet. Auch im Inneren am Treppenaufgang lassen sich Bauhauselemente leicht ausmachen. Heute bildet ein sogenanntes „Schoder Zimmer“ im ersten Stock des Gebäudes einen attraktiven Anziehungspunkt.

Vom 1. April 1997 bis zum Jahre 2017 produzierte in diesen Fabrikgebäude die Getzner Textil Weberei GmbH. Heute befindet sich der Sitz der Firma im Gewerbegebiet Gera-Leumnitz. Geschäftsführer Ralf Lechner erkannte bereits 1997, dass dieses Produktionsgebäude architektonisch erhalten werden muss. Nach historischen Fotografien gelang es ihm, mit Kollegen und Handwerkern, das Zimmer wieder in den Originalzustand zu versetzen. Die Holzwände und eine Sitzgruppe wurden nach Vorbildern neu geschaffen. Eine historische Schaft-Webmaschine mit Lochkartensteuerung und Messgeräten aus der Schulenburg-Zeit hat Lechner aufgefunden, aufbereitet und in diesem Raum ausgestellt. Er nutzte die Zeit bis 2017, das gesamte Gebäude sanft zu restaurieren und damit zu erhalten. Für diese Leistung erhielt die Firma Getzner im Jahre 2008 den Thüringer Denkmalschutzpreis.

Damit dieses Kulturdenkmal gerade im laufenden Bauhaus-Jubiläumsjahr einer großen Besucherzahl zugänglich gemacht werden kann, wurde zwischen der Gera Kultur GmbH und Getzner Textil Weberei GmbH eine Besichtigungsvereinbarung unterzeichnet. Karin Schumann von der Gera-Information und von den Gästeführern Region Gera erhielt den Schlüssel zum Gebäude und zum Schoder Raum. Während der Stadtrundfahrten in Gera ist hier am Industriedenkmal in der Langen Straße in Zwötzen ein willkommener Stopp vorgesehen.

( Wolfgang Hesse, 12.02.2019 )

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