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Blick in die Untermhäuser Geschichte

„Eigentlich waren es sogar drei Dörfer, die sich dort befanden, wo heute der Geraer Stadtteil Untermhaus liegt“, weiß Klaus Brodale und zeigt voller Stolz seine „Bausteine zur Ortsgeschichte von Untermhaus und Cuba“. Neben der im Titel genannten Gemeinden, gehörte auch das Dorf Gries noch dazu. Doch kam Gries schon ziemlich früh, bereits 1851 zu Untermhaus. Noch heute erinnert ein Straßenzug an diese Ansiedlung. Mit viel Engagement, Akribie und Freude hat Klaus Brodale an mehreren Orten recherchiert. Über 30 Jahre leitete er selbst das Geraer Stadtarchiv. Der heute 65-Jährige wollte das verwirklichen, was schon lange sein Traum war. Doch musste er seinen lang gehegten Wunsch aus Zeitgründen bis zur Rente aufsparen. Grundlage bildete für ihn ein großer Bestand an historischen Materialien aus dem Stadtarchiv Gera. Alle Unterlagen zu den bis 1919 selbstständigen Gemeinden Cuba und Untermhaus findet sich in der Sammlung und wurde von Klaus Brodale erstmalig ausführlich gesichtet. Bei seinen Recherchen stieß er auf sehr viele Abbildungen, die er Stück für Stück in seine Berichte einbaute. Der schöne Blick vom und zum Schloss sei der Grund dafür, so schätzt Brodale, dass viele Maler, Zeichner und Fotografen ihn in ihren Motiven festgehalten haben. Das Buch zeigt über 250 Abbildungen, die bisher kaum oder noch nicht veröffentlicht wurden. Das älteste Motiv stammt von einer Karte, die um 1700 entstand und sich im Stadtmuseum Gera befindet. Das Buch mit seinen 256 Seiten spannt einen Bogen der Ortsgeschichte beginnend im Hochmittelalter bis in die Gegenwart. Der zeitliche Schwerpunkt liegt dabei auf dem 19. und 20. Jahrhundert bis zur Eingemeindung nach Gera im Jahre 1919.

Die Bausteine, so Brodale, können daher auch nur einen Bruchteil der Geschichte widerspiegeln. Das Schloss Osterstein wurde bewusst ausgeklammert, denn es wäre schade, wenn man der Geschichte des Schlosses nur ein Kapitel widmen würde. Man verbaue sich da einfach die Chance, die lange Entwicklung des Ostersteins und die des Herrschergeschlechtes intensiver aufzuarbeiten.

Dennoch verrät das Buch viele Geheimnisse aus Untermhaus und Cuba. Das sind Dinge und Fakten, die bisher niemand niedergeschrieben hat. So wird in einem Kapitel über das Vorwerk oder Kammergut berichtet. Es gehörte zum Schloss. Der heutige Name „Hofgut“ sei eine Neuschöpfung aus jüngster Zeit und historisch nicht belegt. Das Schloss und die Liegenschaften bildeten unabhängig von Untermhaus einen eigenen politischen Verwaltungsbezirk, der erst 1921, also etwas später als Untermhaus, zu Gera gerechnet wurde.

Vier Mühlen gab es in Untermhaus und Cuba, das waren die Hausmühle, die Cubamühle, der Kupferhammer und die Furnierschneidemühle. Alle waren am Mühlgraben gelegen und existieren heute nicht mehr. Wirtschaftlich ging es den Gemeinden Cuba und Untermhaus sehr gut. Die Porzellanfabrik am Gries und die Steingutfabrik in Cuba waren über die Region hinaus bekannt. Ausgewählten Persönlichkeiten, Wissenschaftlern, Künstlern und Wohltätern widmet Klaus Brodale ein ganzes Kapitel. „An Personen, wie Otto Dix oder Aenne Biermann kam ich nicht vorbei“, gesteht der Autor und verweist auch auf Menschen, die heute keiner mehr kennt.“ So organisierte der Postbeamte Karl Weise das Waldtheater „Heldendank“. Mit den Einnahmen unterstützte er Kriegsverletzte und Hinterbliebene aus dem ersten Weltkrieg. „Eigentlich hätte Untermhaus das Zeug gehabt, eine eigene Stadt zu werden, doch die Gemeinde lag zu nah an Gera“, schätzt Brodale. „Hier gab es eine öffentliche Bibliothek, eigene Wasser- und Elektrizitätsversorgung und eine eigene Feuerwache.“ Auch die vielen kulturellen Anziehungspunkte, an der Weißen Elster gelegen, sind heute verschwunden. Unterhaltung, Sport und die Nutzung der Natur wurden hier vielfach gefördert. Wanderwege wurden angelegt. Gerade Ende des 19. Jahrhunderts hatte fast jedes Gasthaus, und davon gab es wahrlich viele, einen Biergarten und einen Tanzsaal. Die Walhalla erinnert als Gebäude noch heute an diese Zeit, jedoch leider nicht mehr als öffentliche Gaststätte. Personelle und finanzielle Unterstützung erhielt der Autor vom Ortsteilrat Untermhaus, dem Geraer Sammler Hartmut Grossmann, dem Geraer Stadtmuseum und natürlich vom Geraer Stadtarchiv. Verleger Frank Rüdiger freut sich, dass sich mit diesem Buch, nach Zwötzen und Lusan, eine weitere Publikation speziell mit der Historie eines Stadtteiles von Gera auseinandersetzt.

Das Buch ist für 20 Euro ab sofort in allen Geraer Buchhandlungen, in der Gera-Information und im Pressehaus Gera zu erwerben.

( Wolfgang Hesse, 19.12.2018 )

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