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„Bist Du eine Fettgusche?“

Sehr geehrter Oberbürgermeister, seit dem Vorabend des Höhlerfestes findet man in der Stadt Plakate mit der Frage „Bist Du eine Fettgusche?“. Ist das jetzt das angekündigte Stadtmarketingkonzept?

Nein, das ist ein Anstoß einer Diskussion darüber, was unsere Identität ausmacht. Mir ist es wichtig, den Bürgerinnen und Bürgern kein neues Label von oben überzustülpen. Wir waren schon so vieles: Einkaufsstadt, Sportstadt, Otto-Dix-Stadt und vieles mehr. Dieses Mal sollen die Bürger selbst ihre Meinung sagen, was sie an Gera einzigartig finden.

Aber ist die „Fettgusche“ nicht genau das: wieder ein neues Label für die Stadt?

Genau diese Debatte müssen wir jetzt führen: Wollen wir Fettguschen sein oder was wollen wir nutzen, um uns als Stadt zu beschreiben? Auf der Internetseite www.fettgusche.gera.de kann jeder über verschiedene Optionen abstimmen. Außerdem besteht die Möglichkeit, eine E-Mail mit der eigenen Meinung zu versenden.

Die Stadt hatte Studenten beauftragt, sich mit dem Marketing auseinanderzusetzen. Die Fettgusche war nur der zweitplatzierte Vorschlag. Warum wurde nicht der erstplatzierte Vorschlag ausgewählt, um die Debatte über das Stadtmarketing anzustoßen?

Der erstplatzierte Entwurf war leider ein Plagiat. Dem mussten wir Rechnung tragen. Die Ergebnisse des Studentenwettbewerbs aus dem vergangenen Jahr sowie einer darauf folgenden Umfrage sind mein Ansatz für die Frage nach dem Image unserer Stadt. Ich habe nicht das Gefühl, in der „Otto-Dix-Stadt“ zu sein, wo Intellektuelle zum Rotwein aus dem Ahrtal über die Auswirkungen der neuen Sachlichkeit in der heutigen digitalisierten Welt diskutieren. Oder, dass wir die Hochburg der Fitnessbewegung und des gesunden, veganen Lebenswandels sind. In Gera lebt man eher Genuss und Herzlichkeit.

Was ist mit der Fettgusche gemeint? Und was soll ein Brummochse sein? Wo kommen diese Begriffe her?

Der Begriff der „Fettgusche“ kommt aus dem Mittelalter. Er wurde uns von den umliegenden Bauern gegeben. In Gera ging es den Menschen damals so gut, dass wir uns oft teure und fettige Speisen gönnten, die direkt mit der Hand verspeist wurden. Zurück blieb dann die fettige Gusche. Und wenn Sie sich in den nächsten Tagen in Gera umschauen, werden sie wieder die „Fettguschen“ sehen. Ich hoffe, dass es mehr werden und dass der Wohlstand in die Stadt zurückkommt. Der „Brummochse“ ist eine Bezeichnung für einen grimmigen Menschen, aber nicht boshaft, sondern eher liebevoll gemeint. Die Begriffe stammen von zwei Holzplastiken des Künstlers Volker Wendt, die in der Nähe des Geraer Rathauses stehen. Sie sind genauso bunt und vielseitig bemalt, wie auch das Leben in Gera ist: bunt und vielseitig.

„Echt, frech und zu Hause“ steht auf den Postern. Zeichnet das für Sie die Mentalität der Stadtbewohner aus?

Ja, ich finde das könnte Gera am ehesten gerecht werden. Gemeinsam beständig, aber auch anders sein. Unsere Heimat ist unser zu Hause für die ganze Familie, vom Kleinkind bis zur Uroma. Eben familiär wie zu Weihnachten. Das macht Gera aus. Wenn man sich mit Touristen oder Pendlern unterhält, dann sind die meisten - nach der tollen Landschaft und Architektur - schnell von unserer Herzlichkeit sowie Hilfsbereitschaft angetan. Das spiegelt sich in der überdurchschnittlich hohen Beteiligung am Ehrenamt und im Vereinsleben wider. Immer wieder spürt man Zusammenhalt, auch und insbesondere in schwierigen Situationen.

Wie geht es jetzt weiter?

Jetzt sind erst mal alle Geraer gefragt, sich eine Meinung zu bilden. Und die möchte ich gern wissen, bevor weitere Schritte eingeleitet werden. Ein Stadtmarketingkonzept ergibt nur Sinn, wenn die große Mehrheit der Menschen in unserer Stadt sich wirklich damit verbunden fühlen kann.

( vorstufe, 11.10.2018 )

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