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Wie bleiben wir alle friedlich und gerecht?

Physik trifft Kirche und stellt sie vor die Frage: „Wie gehen wir mit ihr um?” Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer in Deutschland e.V. lud gemeinsam mit der Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland Ilse Junkermann zu einem Empfang in den Räumen der Friedhelm Loh Group, der Rittal GmbH, ein.

Die mit der Digitalisierung einhergehenden Veränderungsprozesse werden unser gesamtes gesellschaftliches Miteinander in bisher ungekanntem Maße revolutionieren. Diese umfassenden Veränderungsprozesse verpflichten uns als unternehmerisch tätige evangelische Christen zur Gestaltung. Deshalb setzen wir uns in dieser Reihe mit den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung auseinander”, sind die einführenden Worte von Friedhelm Wachs, geschäftsführender Gesellschafter der Wachsonian GmbH in Leipzig und Sprecher der regionalen Arbeitsgruppe des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU) in Mitteldeutschland.

Gekommen waren rund 80 Gäste, die den Ausführungen von OB Dr. Viola Hahn, Ministerpräsident Bodo Rahmelow, Landesbischöfin Ilse Junkermann und Professor E.h.Dr.h.c Friedhelm Loh zum Thema „Die digitale Revolution gestalten – eine evangelische Perspektive” folgten.

Geras Oberbürgermeisterin stellt voran, dass „die Wertschätzung auch in Zeiten der digitalen Revolution und der damit verbundenen weiteren Automatisierung und teilweise auch Anonymität nicht verloren gehen darf.” Die Kernaufgaben der Stadtverwaltung Gera werden in mehr als 3.000 spezifizierten Verwaltungsprozessen erfüllt. Fast alle Verwaltungs- und Geschäftsprozesse werden durch informationstechnische Systeme unterstützt. Auch der verwaltungsinterne Nachrichtenaustausch sowie die Kommunikation zwischen Bürger und Behörden finden immer häufiger über elektronische Medien statt. „Digitale Revolution bedeutet: Verwaltung muss sich neu erfinden – und zwar aus dem Anspruch heraus, die Dienstleistungsfunktion und noch klarer gesagt: die dienende Funktion für die Menschen, für die Wirtschaft effizient, zügig und ergebnisorientiert zu erfüllen. Dies erfordert zunächst eine enorme organisatorische Anstrengung für die Verwaltung. Die Abläufe von 3.000 Verwaltungsprozessen sind zu hinterfragen und neu zu regeln. Unzählige Dienstleistungsverträge sind neu zu verhandeln. Mitarbeiter müssen qualifiziert werden, um digitale und medienbruchfreie Verwaltungsarbeit rechtskonform leisten zu können. Gleichzeitig müssen mit hohem Tempo unzählige Anforderungen aus neuen Gesetzen realisiert werde”, bilanziert die OB und zweifelt an, ob das Personal in der Verwaltung tatsächlich reduziert werden könne, denn besser bezahlte IT-Spezialisten wären womöglich von Nöten.

Landesbischöfin Ilse Junkermann gibt zu Bedenken, dass trotz der Arbeitsentlastung des Menschen in vielen Bereichen, die mit der Automatisierung von Prozessen einhergeht, selbiger auch vor die Herausforderung gestellt werde, der neuen Sinnfindung seines Alltages. „Je mehr Arbeitszeit wir einsparen, umso mehr Zeit bleibt für die Erziehung und der Kreavitität. Doch wovon werden wir leben, wenn sich der Ertrag ändert? Die Frage nach einem Grundeinkommen für alle wird eine Antwort finden müssen. Wie bleiben wir alle friedlich und gerecht? Und wer übernimmt die Verantwortung, wenn der digitalen Logik religiöse Unfehlbarkeit zugeschrieben wird?”

Ilse Junkermann ging noch weiter. Mit der gläsernen Überwachung des Bürgers werde die Freiheit und das Recht am Bürger außer Kraft gesetzt und sie formulierte die Frage, ob Demokratie in der Digitalisierung noch anwendbar sei?

„Die Digitaliserung muss entzaubert werden. Es bedarf mehr Bildung, um mit selbiger umgehen zu können. Neue Medien verändern das soziale Miteinander, sie verändern den Charakter unserer Gesellschaft. Wenngleich sich die Kommunikation via sozialer Netzwerke verkürzt, verlieren wir die Kontrolle über deren Mimik. Indikatoren, die uns verraten, wie unser Gegenüber denkt, agiert, handelt. Es muss klare Grenzen der digitalen Kommunikation geben, um auch der digitalen Demenz vorzubeugen.”

Als Landesbischöfin ist es Junkermanns Aufgabe auch die Kirche bei dieser Revolution im Blick zu haben. Die Kirche muss verstärkt virtuell kommunizieren, um reell nicht zu verschwinden. Dabei darf die zwischenmenschliche Kommunikation jedoch nicht verloren gehen. Die Kirche als Raum für Emotionen muss im Blick bleiben, wenngleich sie sich der Digitalisierung nicht verschließen darf. „Wir brauchen die digitale Aufklärung”, so ihr Fazit.

Der evangelische Unternehmer Friedhelm Loh sieht den Teufel nicht im Detail. „Es geht um Rationalisierung von Prozessen. Darauf sollten wir uns konzentrieren und es als Segen für uns anerkennen. Denn Entwicklung der Volkswirtschaft heißt verändern. Wir dürfen nicht zu oft in Risiken denken, sondern vielmehr sollten wir die Chancen in der Veränderung erkennen”, betont Loh und sieht in der Digitalisierung die Innovationskraft und Wirtschaftlichkeit des Landes. „Wohlstand und Unglaube machten ängstlich. Doch die Kombination aus Wissen, Können und Tun ist letztlich der Vorsprung unserer Bildung. Die Erfindung des Messers war kein Fehler aber dessen Anwendung könnte ein Fehler sein”, sind die Worte eines erfolgreichen Unternehmers, der sich auch erfolgreich sozial für seine Region einsetzt.

Ministerpräsident Bodo Rahmelow bestätigt, dass die Digitaliserung auf Hochtouren läuft. „Es ist Unsinn sie aufhalten zu können. Vor 28 Jahren war Thüringen am stärken de-

industrialisiert, heute führen wir die Reindustrialisierung im Vergleich der neuen Länder an”, würdigt er Thüringens Wirtschaft, betont aber zugleich, dass Bildung kritisch bleiben muss. Das heißt auch, über ein bedingungsloses Grundeinkommen oder eine moderne Bürgerversicherung nachdenken zu müssen.

Dieser Empfang galt als Zwischenetappe dieser Themenreihe „Die digitale Revolution zu gestalten”. Eine Fortführung in Form eines Forums gibt es Ende April in Fulda.

Die Bilanz: Die Digitalisierung muss gestaltet werden, denn die Welt, in der sie herrscht ist manipulativ. Die digitale Welt ist nicht der Spiegel der realen Welt, es braucht Empathie für ein friedvolles, gerechtes und menschliches Zusammenleben aller. 

( Fanny Zölsmann, 14.04.2018 )

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