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Schlothauer und Tittel bringen Bewegung

Lange und endlose Diskussionen liegen der Kunsthistorikerin Dr. Claudia Tittel und dem Musiker und Musikwissenschaftler Burkhard Schlothauer, nicht im Blut. Anpacken und Loslegen hingegen umso mehr. Dies merkt man im Gespräch sehr schnell, denn beide sprühen nur so vor Ideen, die einmal zu Ende gedacht auch umgesetzt werden. „Zu oft wird nur geredet und am Ende kommt nichts dabei raus. Wir wollen unsere Ideen umsetzen und kreativen Köpfen ebenfalls die Möglichkeit geben dies zu tun“, erzählt Burkhard Schlothauer.

So gründete das Ehepaar im Juni 2015 die Kultur in Mitteldeutschland gGmbH (KIM). Zudem bewarben sich die Wahlgeraer mit einem soziokulturellem Konzept, im Rahmen einer Ausschreibung, um die Häselburg, ein bis dahin leer stehendes Kulturdenkmal in der Florian-Geyer-Straße 15-17/Burgstraße 12. Nach dem Kauf des Komplexes stellte man auch zügig ein Konzept zu Sanierung und Belebung der einzelnen Gebäude vor. Vordergründig war von Beginn an klar, einen neuen Hotspot für Kunst, Kultur, Kreativität, Bildung und Wohnen zu schaffen. Nach kurzer Anlaufzeit liefen die ersten Projekte an und der Umbau im Inneren begann. „Die Idee zur Häselburg ist eigentlich aus der Frustration heraus entstanden, wie Gera mit Kunst und Kultur umgeht und dadurch das Image der Stadt verschlechtert“, erzählt Claudia Tittel. Das wollte man ändern und zeigte dies im vergangenen Jahr mit der über Monate laufenden Sommerakademie, verschiedenen Ausstellungen und Theaterstücken, der Einbindung des Hauses in die Museumsnacht, Workshops, Konzerte, mit einer Afrika Tagung und der Galerieeröffnung im September 2017. „Wir haben einiges ins Rollen gebracht, aber wissen, dass wir noch am Anfang stehen und auch nicht alles optimal läuft. Doch es hat sich gezeigt, dass durch die Belebung der Häselburg immer mehr Künstler auf uns aufmerksam werden und der Focus so langsam wieder auf Gera gerichtet wird“, so Tittel weiter.

Doch Ausruhen kommt für beide nicht in Frage, denn im noch jungen Jahr 2018 hat man einiges geplant. So gibt es eine Fortsetzung der Sommerakademie, eine große Ausstellung zum Thema „Arbeit und Mythos“ wird realisiert, junge sowie etablierte Künstler und Musiker werden Galerie und Werkstatt für ihre Projekte nutzen und diese auch der Öffentlichkeit präsentieren und ab Januar wird eine Projektmanagerin zum Team der Häselburg hinzukommen. Zudem wird der Umbau des gesamten Objektes vorangetrieben. Von Außen ist zwar noch nicht viel zu sehen, aber im Inneren ist bereits viel passiert und die Handwerker sind dauerhaft damit beschäftigt, die Räumlichkeiten nach und nach zu renovieren. „Wir wollen in einigen Teilen der Gebäude nicht einfach alles herausreißen, sondern den Charakter mit all seinen Details behalten. Da ist der Aufwand eben etwas höher“, erklärt Schlothauer und fügt hinzu: „In diesem und im nächsten Jahr werden die Baumaßnahmen größer. So setzen wir im Eckhaus ein Konzept für Junges Wohnen um. Hier prüft auch die Stadt, ob sie das Haus für Schüler des Gymnasiums Rutheneum anmietet“. Des Weiteren soll ein Café entstehen und die größte Baustelle entsteht auf drei Etagen im Gebäudekomplex, welcher für die Landesmedienanstalt saniert werden muss. „Wir haben viele Gespräche geführt und können jetzt sagen, dass die Thüringer Landesmedienanstalt spätestens Mitte 2019 in der Häselburg ihr neues Domizil beziehen wird“, so Schlothauer freudig. Beide Seiten sehen dies als Chance, gemeinsam mit vielen Neugierigen und Interessenten neue Ideen zu entwickeln, Projekte umzusetzen und Synergien für alle Seiten entstehen zu lassen. Für die meisten wäre das, neben den beruflichen Aktivitäten genug Arbeit für die kommenden Jahre. Doch bei Tittel und Schlothauer verhält sich dies anders. So machen beide schon Pläne, wie man die Straße zwischen dem neuen Gebäude des Rutheneums und der Häselburg zu einem Platz umbauen könnte. „Wir haben auch hierzu bereits mit der Stadt Vorgespräche geführt. Diese ist von der Idee nicht abgeneigt, aber das ist noch Zukunftsmusik“, so Schlothauer schon beinahe ein wenig traurig, dass es nicht schneller geht. Zudem gibt es Überlegungen die Flächen in Richtung Stadtgraben zu kaufen, um das Stadtbild von dieser Seite mit alter Stadtmauer und als Eingang zur Innenstadt aufzuwerten.

Als wäre dies nicht genug, engagieren sich beide auch in der gesamten Museumslandschaft der Stadt. So ist man mit dem Museum für angewandte Kunst (MAK) und dem dazugehörigen Förderverein eng verbunden und kämpft um das Haus, was bekanntlich verkauft werden soll. „Man könnte das Museum besser führen als es derzeit der Fall ist. Ohne den Förderverein wäre vieles nicht machbar und diesen stößt man jetzt vor den Kopf. In Thüringen ist das Haus einmalig und so muss ich es auch zu einem Leuchtpunkt in der Landschaft machen. Das wurde verpasst und Visionen von einigen Personen wurden nicht umgesetzt. So hat der Standort Gera viel verloren, was nicht nur das MAK betrifft“, so Claudia Tittel, die im MAK bereits Ausstellungen organisiert hat, Fördermittel beantragte, Künstler nach Gera lockte und gemeinsam mit dem Förderverein eigene Gelder in den Erhalt des Museums steckte. So hat man nach der großen Podiumsdiskussion um das Museum ein tragfähiges Konzept entwickelt und noch im Dezember zusammen mit der gemeinnützigen Wilhelm und Lotte Neufeld-Stiftung sowie der KIM gGmbH bei den Besitzern, der GWB Elstertal und Beson & Elliot, das Kaufinteresse bekundet. Leider gab es von beiden Seiten bisher keinerlei Rückmeldung. „Die Überlegung zum Kauf gab es bereits vor über einem Jahr. Da man von einem Investor nichts wusste, konnte man nicht rechtzeitig reagieren. Auch wenn bei der Diskussion von einigen zu hören war, dass man dem unbekannten Investor doch eine Chance geben muss, bin ich der Meinung, dass dieser nicht im Sinne eines Museums handeln wird. Zudem könnte dieser die ganze Angelegenheit entschärfen, wenn er sich zu erkennen gibt und aufklärt, was wohl nicht gewollt ist“, erklärt Tittel, die sich mit sehr viel privatem Engagement für die Zukunft des Hauses einsetzt. Doch nicht nur hier sieht man Probleme in der Kulturlandschaft der Stadt. So sind beide der Meinung, dass ein Museumsdirektor für die Objekte in Gera eingesetzt werden sollte. „In Gera kommt man immer mit dem Argument, es ist kein Geld da. Das Totschlagargument schlechthin. Löst man die Museen aus dem kommunalen Eigentum heraus und gründet eine Stiftung, wären diese ganz anders förderfähig. Wir arbeiten gut mit der Stadt zusammen, aber in manchen Punkten herrscht große Lethargie, die man endlich überwinden sollte“, so Tittel weiter, die als Kunsthistorikerin weiß, wo, wie und bei wem Fördermittel für Kulturprojekte beantragt werden müssen.

„Schön ist, dass alles was man tut Kunst sein kann. Zudem ist es reizvoll zu sehen, wie sich auch mit wenig Geld etwas entwickeln und zu etwas Großem werden kann. Wir wollen damit nicht reich werden, sondern unsere Ideen und Träume wahr werden lassen. Wir haben uns alles erarbeitet und investieren gern in diese Projekte, die sich am Ende möglichst tragen sollten“, erklären beide während des Gesprächs. Sie tun es weil sie es wollen und reden nicht nur darüber, was man tun könnte, wenn man es will.

( Lars Werner, 06.01.2018 )

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