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Vom Besteck bis zum Autoprojekt

Was haben „Barkas, Simson, Moccadolly” miteinander zu tun? Zu erfahren ist das in der neuen Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst (MAK) mit eben jenem Titel „Barkas, Simson, Moccadolly”, und die Begriffe müssen deswegen in einem Atemzug genannt werden, weil sie eine Handschrift tragen: die des Formgestalters Lutz Rudolph. Wie kein andere hat er seit Beginn der 60er Jahre Maßstäbe auf dem Gebiet des Produktdesigns in der DDR gesetzt. Im vergangenen Jahr wäre Lutz Rudolph 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund zeigt das Geraer Museum eine Retrospektive zu seinem Gesamtwerk. Die Schau, die bis zum 26. November zu sehen, wurde direkt an seinem Geburtstag eröffnet.

Lutz Rudolph ist ein Sohn unserer Stadt. Er entstammt der bekannten Geraer Künstlerfamilie Rudolph. Der Großvater hatte eine Malschule gegründet, und der Vater Hans war selbst ein Maler. Ein Stück Familiengeschichte verdeutlichen im Foyer zwei Installationen, die von der Künstlerin Ania, der Tochter von Lutz Rudolph, und dem Künstler Rainer Görß gestaltet wurden. „Das ist die Geschichte unserer Familie. Sie verdeutlicht die Auseinandersetzung mit der Kunst und den Medien unserer Zeit”, verwies Ania Rudolph auf die Wände, die den Malkasten des Großvaters, Stifte, die Militärstiefel des Urgroßvaters, Fotos, Skizzen, Briefe und interessante Zeitdokumente enthält. Obwohl Lutz Rudolph in Berlin lebte, hat es ihn immer wieder nach Gera gezogen. Er hat im Atelier seines Vaters in der Heinrichstraße gearbeitet. „Gera hat ein hohes Potential an Kultur und sollte damit gut umgehen”, stellte Rainer Görß fest. Lutz Rudolph ist im März 2011 nach langer schwerer Krankheit in seiner Geburtsstadt Gera verstorben.

Es ist unwahrscheinlich, was Kuratorin Doris Weilandt für die umfassende Schau zusammengetragen hat. „Es hat mir großen Spaß gemacht, sich mit dem Leben und dem Schaffen von Lutz Rudolph zu befassen”, gab sie zu. „Er war so ein großes künstlerisch kreatives Talent, der Maßstäbe auf dem Gebiet des Produktdesign setzte”, schwärmte sie.

Wer durch die Ausstellung geht, wird nicht selten in Erstaunen versetzt und erlebt einen Aha-Effekt, was alles den Ideen des Designers entsprang: Bestecke, Geflügelschere, Hängeleuchten, das Kaffeebrühgerät Moccadolly oder die 1961 entworfene Stehleuchte Typ 8428 Kontrast, die als Designklassiker der DDR gilt.Lutz Rudolph fühlte sich der Tradition des Bauhauses, die ihn im Elternhaus umgeben hatte, verpflichtet. Gemeinsam mit seinem Künstlerfreund, dem Chemnitzer Formgestalter Karl Claus Dieter (geb. 1934), entwickelte er eine eigene funktionale Ästhetik, die als das „offene Prinzip” Designgeschichte geschrieben hat.

Ehemalige Trabant-, Wartburg- und Barkasfahrer werden nicht schlecht staunen, wenn sie die Entwürfe für ihre geliebten Untersätze sehen. Sie waren ihrer Zeit weit voraus, waren auch in den Entwicklungsabteilungen der Automobilindustrie auf großes Interesse gestoßen. Doch leider nur da.

Aus wirtschaftspolitischen Gründen stoppte die SED-Regierung das geheime Projekt, die Entwürfe verschwanden in der Schublade, und auf die Modelle wartete die Schrottpresse. Für den Barkas B 1000 gab es sogar schon einen Prototyp. Dass er heute noch existiert, ist einem Entwicklungsingenieur zu danken.

Die Kuratorin Doris Weilandt hatte recherchiert, dass dieser die Fahrzeuge so gut in einer Scheune versteckt hat, dass sie nicht gefunden wurden. Im Fahrzeugmuseum Frankenberg sind sie heute zu bewundern. Dietel/Rudolph entwickelten außerdem Mitte der 70er Jahre das sportliche Zweirad Simson S 50 und weitere Modelle. Sie schaffen den Einzug in die Serienproduktion, und bis 1988 entstehen eine Reihe von Mopeds und Motorrollern, von denen einige im MAK zu sehen sind. Und dann noch die kugelförmigen großen Boxen, Lautsprecher für das Radio rk 5 senit von Heliradio aus Limbach-Oberfrohna, für die das Designer-Duo zahlreiche Entwürfe lieferte. Nach der Wende übernimmt Lutz Rudolph verschiedene Gestaltungsaufgaben an Gebäuden u.a. am neuen Campus der Universität Jena am Ernst-Abbe-Platz. Fußbodenintarsien und räumliche Strukturen tragen dort die Handschrift des bedeutenden Designers.

Fahrzeug- und Produktdesign, Grafik und Kunstobjekte von Formgestalter Lutz Rudolph: vom 29. September bis 26. November.

Öffnungszeiten im MAK: Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen 12 bis 17 Uhr, Führungen am 8. und 22. Oktober sowie am 12. und 26. November jeweils 14 Uhr. 

( Helga Schubert, 07.10.2017 )

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