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Zwischen Hammer und Mordmotiv

Tatort, Polizeiruf 110, Wallander oder Bones, Criminal Minds, Sherlock – sie alle spekulieren mit Mord. Hans Thiers hantierte mit ihm.

17 Jahre war Hans Thiers bei der Mordkommission im Bezirk Gera, davon von 1980 bis 1990 als Leiter der selbigen. Lange Zeit nachdem er dieses Kapitel seines Lebens bereits geschlossen hatte, ließ er die Akten wieder öffnen. „Vor rund eineinhalb Jahren holte ich mir die Genehmigung auf Akteneinsicht beim Staatsarchiv in Rudolstadt und der Staatsanwaltschaft ein”, erklärt er den ersten Schritt zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Mordfälle von 1973 bis 1990 im Bezirk Gera. Von Dezember bis Mai arbeitete er die Mordakten systematisch und akribisch durch und holte sich so jede kleinste seiner Erinnerungen zurück. Er schrieb alles auf 300 Seiten nieder.

Eigentlich war Hans Thiers Leistungssportler im Radsport. „Früher habe ich beim SG Dynamo Dresden Nord bei der Bereitschaftspolizei Sport und Beruf vereint. Aufgrund meiner Leistungen wurde ich 1967 zum Leistungsstützpunkt Radsport der SG Dynamo Gera Mitte delegiert. 1971 wurde der Stützpunkt aufgehoben, es folgte ein Jahr als Sportoffizier, bevor ich zur Kriminalpolizei in die Mordkommission versetzt wurde. Ich war 27 Jahre alt und hatte die Chance mich zu entwickeln”, erinnert er sich an den Lauf seines Lebens zurück.

Es begannen Jahre der Qualifizierung, die er nach erfolgreichem Fernstudium an der Humboldt-Universität Berlin als Diplomkriminalist abschloss. 1981 mit der Absolvierung seines Hochschulstudiums wurde er zum Leiter der Morduntersuchungskommission im Bezirk ernannt. „Wir saßen ständig auf einem Pulverfass. Sobald ein Anruf kam, wussten wir, was geschehen ist und die Maschinerie ging los.”

Galt es einen unbekannten Mord zu klären (Anmerkung der Redaktion: der Täter ist unbekannt), kamen sämtliche Spezialisten an einen Tisch, um die Sache schnellstmöglich aufzuklären. „Wir haben stets hohe Öffentlichkeitsarbeit geleistet, dabei wollten wir nicht die Sensationslust wecken. Unser Ziel war es, die Bevölkerung mitzunehmen.”

Mit Fahndungsaushängen, Zeitungsartikeln und Lautsprecherdurchsagen haben sie die Bürger sensibilisiert. Vor allem wenn Kinder mit im Spiel waren, galt höchste Sorgfalt der Beweise und Hinweise.

Hans Thiers will den Leser in seinem Buch mitnehmen. Taktisch, methodisch, authentisch und in seinen Worten – in Fakten – beschreibt er in 45 Fällen Mord, Suizid und tödliche Unfälle, die er in den Jahren ermittelte.

17 Jahre lang galt es Täter „beweismäßig wasserdicht” dingfest zu machen, Opfern die letzte Ehre zu erweisen und den Angehörigen die lebensverändernden Nachrichten zu überbringen. In seinem Kopf haben sich alle Namen eingebrannt. Zwei lassen ihn bis heute nicht los: Michaela Wagner und Ines Heider. „Bei beiden gibt es keine Hinweise auf ihren Aufenthaltsort. Michaela Wagner war sechs Jahre alt, als sie verschwand. Sie wohnte in Gera in der Lindenstraße. Wir hatten zwar einen Verdächtigen, aber kein Opfer. Ines Heider aus Hermsdorf hingegen verschwand 1990, kurz nach dem Mauerfall und der Öffnung der Grenzen. Sie war 26 Jahre alt. Wir wissen bis heute nicht, ob sie entweder Opfer eines Verbrechens wurde oder sich eine neue Heimat suchte.”

Im Durchschnitt beschäftigten Hans Thiers samt Kollegen vier bis zwölf Morde im Jahr. „Wir hatten immer zu tun. Angefangen bei der Beweismittelführung, Beschuldigtenvernehmung, Gutachtenerstellung, Bildberichterstattung, Erstellung psychologischer Gutachten bis hin zur Gerichtsverhandlung und Nachbereitung dauerte ein Vorgang oftmals bis zu sechs Monate.”

Früher wie heute wird gemordet: Eifersucht, familiäre Probleme, Entführungen und Vergewaltigungen mit anschließendem Mord, Kindstötungen und Habgier sind oftmals die Deliktursachen. Und wie heißt es immer so schön: Menschen haben schon für viel weniger getötet. Ein Beispiel für einen Mord aus Habgier zeigt Hans Thiers ebenfalls auf. „Jena, 1976: Aus dem Verkaufsverhandlungen eines Wartburgs wurde ein Zweifachmord. Der Mann wollte weder Geld noch Wartburg hergeben und so entledigte er sich nacheinander dem Ehepaar. Er schlug mit dem Hammer auf sie ein und entsorgte sie in der Saale. Die Suche nach dem Mörder hat uns einen Monat beschäftigt. Doch erst gut vier Monate später fanden wir die beiden Leichen und der Täter konnte verurteilt werden.”

Hans Thiers 289-seitiges Erstlingswerk ist seit knapp vier Wochen auf dem Markt und birgt schon jetzt unerwartete Resonanz.

In den Geraer Buchhandlungen ziert die kriminalhistorische Abhandlung die Schaufenster. „Durch die ‚Mordfälle im Bezirk Gera‘ erfährt der Leser auch Grundsätzliches zur Struktur der Tötungskriminalität in der DDR. Die Bandbreite erstreckt sich dabei von Tötungsdelikten im Trinkermilieu, über sexuell und materiell motivierte Delikte bis zu Kindstötungen im Zuge ungewollter Schwangerschaften. Der Leser erfährt aus erster Hand, welche Untersuchungsmethoden die Kriminalpolizei auf die Spur der Täter führte. Dabei wird auch über unkonventionelle Methoden, wie die ‚Cola-Käse-Zigaretten-Taktik‘, berichtet. Zusätzlich gewährt uns der Verfasser interessante und aufschlussreiche Einblicke in die Psyche einiger Täter.” Mit diesen Worten rezensiert Remo Kroll, LKA Berlin, die Lektüre. Das Buch „Mordfälle im Bezirk Gera” erschien im Kirchschlager Verlag, Fachverlag für kriminalhistorische Literatur. Wer den Kriminalrat hautnah erleben möchte, der kann Hans Thiers bei seinen nächsten Lesungen besuchen:

25. September, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Zeulenroda-Triebes.

24. Oktober, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Gera.

14. November, 19.30 Uhr, Buchhandlung Schmidt, Schloßstraße.

( Fanny Zölsmann, 19.09.2014 )

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