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Das beachtliche Leben des Paul Schulenburg

In den Startlöchern steht die aktuelle Ausstellung in Haus Schulenburg. Am Sonnabend, 16 Uhr, werden die Eigentümer Prof. Rita und Dr. Volker Kielstein die Exposition mit dem Titel „100 Jahre Haus Schulenburg – eine Familien-, Unternehmens- und Kulturgeschichte“ eröffnen. „Im August/September 1914 wurde das Haus Schulenburg fertig gestellt. Heute, 100 Jahre später, wollen wir den Besuchern einen umfangreichen Einblick in das Leben und Wirken der Familie geben und dabei den Blick auf die Kultur nicht vergessen”, erklärt Dr. Kielstein. „Das ganze Haus ist Kulturgeschichte. Schon allein das geistige Werk von Henry van de Velde, die Architektur, der Garten, die Innenräume, das Mobiliar, ist sehenswert. Hinzu kommt, dass Paul Schulenburg eine bedeutende Kunstsammlung sein Eigen nennen konnte. Ein Teil ist zurückgekehrt und erhalten: van Gogh, Manet, Signac, Monet, von Hoffmann, Liebermann, Charlier, auch Thüringer Künstler runden die Sammlung ab”, zählt der Kunstliebhaber auf. Neben Künstlern, Malern und Bildhauern aus dem europäischen Raum füllen ebenso rund 100 wertvolle Stücke aus der asiatischen Sammlung von Walter Bondy Schulenburgs Kunstschätze. „Nicht zu vergessen, die Werke von Buchkünstler Otto Dorfner und Thilo Schoder als Buchgestalter und zahlreiche Briefwechsel u.a. zwischen Schoder und dem Weimarer Bildhauer Engelmann”, fügt Dr. Kielstein hinzu. 
Neben diesen Briefwechseln finden sich in der Ausstellung auch geheime Geschäftsbücher, eine Sammlung der Geschäftspost und Fotografien zahlreicher Betriebsjubiläen. „Paul Schulenburg bestach neben seinem großen künstlerischen Wissen auch durch seine erfolgreiche internationale Unternehmensgeschichte und seinem Blick für die soziale Absicherung seiner Mitarbeiter”, weiß Dr. Kielstein zu berichten. So hielt Schulenburg geschäftlichen Kontakt zu 50 Ländern, darunter Shanghai und Amerika. „Welcher Gründergeist in ihm und dieser Zeit steckte, wird z.B. anhand einer Momentaufnahme einer Firmenfeier mit dem Motto ‚Rastlos vorwärts‘ deutlich.” Anhand zahlreicher Details erhält der Besucher einen Überblick über die erfolgreiche Entwicklung der Wollen- und Seidenweberei Schulenburg & Bessler. „Während unserer Recherchen im Stadtarchiv stießen wir auf einen geheimen Schriftwechsel zwischen Unternehmen und Verbänden aus dem dritten Reich, in dem die Machenschaften, die organisierte Demontage, Boykottierung und Enteignung jüdischer Unternehmer, geplant wurden. Bereits 1935 begannen die Überlegungen arischer Unternehmen die zu ergaunernde Beute aufzuteilen. Auch Schulenburg wurde davon in Kenntnis gesetzt, wobei aus Briefen erkennbar ist, dass er Zweifel an der Art der Machenschaften hegte. Schulenburg hat sich nie an der Judenenteignung bereichert”, bekräftigt Dr. Kielstein.  
Verheiratet war Paul Schulenburg mit Elisabeth Thierbach, einer Gutsbesitzertochter aus Lobeda bei Jena. Sie hatten fünf Kinder: Wolfgang, Richard, Grunhilde, Adelheid und Joachim. Doch die Ehe war nicht von Dauer. 1926 ließen sie sich scheiden. Wolfgang und Richard blieben beim Vater in Gera, Grundhilde, Adelheid und Joachim zogen mit der Mutter nach Kassel. Der Bruch der Familie und die Enteignung 1947 veränderte die Lebensläufe der Kinder entscheidend: keiner erreichte das ehemalige unternehmerische wirtschaftliche Niveau. 
Auch wenn die aktuelle Schau noch nicht einmal eröffnet ist, sitzt Dr. Volker Kielstein bereits an der nächsten. „Im kommenden Jahr werden wir unser Augenmerk auf Walter Crane legen. Des Weiteren befindet sich das Nebengrundstück im Bau. Hier soll 2015 oder 2016 ein Skulpturengarten eröffnet werden”, macht der Eigentümer auf das Kommende neugierig.  

( Fanny Zölsmann, 15.08.2014 )

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